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Joseph – eine Träumerei in Technicolor©

Die Geschichte Josephs ist altbekannt – aus der Bibel: Jakob, der Stammvater des Volkes Israel, hat 12 Söhne. Einen davon hat er ganz besonders gern, den Träumer Joseph. Die missgünstigen Brüder verüben einen Anschlag auf den von ihnen ungeliebten Joseph und verkaufen ihn in die ägyptische Sklaverei. Für den Vater hält man die tragische Geschichte von Josephs tödlichem Kampf mit einem wilden Tier bereit. Durch die erfolgreiche Deutung des berühmten Traumes von den sieben fetten und den sieben mageren Jahren aus dem Kerker des Pharao, in den Joseph wegen eines Verführungsversuches durch die Frau des mächtigen Potiphar geworfen wurde, zum Vizekönig aufgestiegen, sorgt Joseph für Ägypten. Aufgrund der Auswirkungen der sieben mageren Jahre ziehen die Brüder nach Ägypten und wenden sich als hungrige Bittsteller an Joseph. Durch eine Probe von der neuen Ehrlichkeit seiner Brüder überzeugt, gibt sich Joseph schließlich zu erkennen und beschert allen ein Happy End am ägyptischen Hofe. Soweit die Original-Story...

In Andrew Lloyd Webbers Musical „Joseph and the amazing technicolor© dreamcoat” geht es jedoch nicht um biblische Verkündigung, jedenfalls nicht hauptsächlich und schon gar nicht vordergründig. Vielmehr wird dem Zuschauer hier eine wahrlich traumhafte Geschichte eines Menschen erzählt, dessen Träume Wirklichkeit werden. Das Publikum darf mit auf Josephs Traum-Reise, die in bunten Bildern gehalten und mit brillanten Tönen verziert ist... Natürlich, es darf den weltfremden Träumer Joseph verwundert belächeln, es darf ihn in Schutz nehmen, wenn die keifenden und neidischen Frauen der Brüder ihren Männern klarmachen, dass der Nichtsnutz weg muss, es darf dem schnöseligen Geldsack Potiphar, der sein Geld in Pyramiden-Aktien angelegt hat und der den Großteil des Nils sein Eigen nennen kann, durchaus auch mit einer gewissen Selbstzufriedenheit gegenübertreten; mit Geld kann man ja bekanntlich vieles kaufen, die Liebe einer Frau aber nunmal nicht... Das Publikum darf zusammen mit Joseph im Kerker Trübsal blasen, es darf sich mit Joseph freuen, wenn dieser zum ägyptischen Vizekönig aufsteigt und wenn sich dann zum guten Ende Joseph mit seinen Brüdern aussöhnt und seinen Vater in die Arme nimmt, ja dann darf man nicht nur, sondern dann sollte man sogar die kleine Träne der erleichternden Wonne und der erwärmenden Freude im Augenwinkel verspüren...

Ja, das Stück ist nett und hübsch und bunt und schön , aber im positivsten Sinne, und deshalb keineswegs platt, glattgebügelt oder gar prätentiös. Ganz im Gegenteil. In vollendeter Leichtigkeit spielt das Stück mit sich selbst und seinen eigenen Konventionen. Die geschickte und präzise Kombination von permanenter ironischer Brechung der Handlung und der Charaktere mit verführerisch-eingängigen Melodien, die dem Zuschauer das gesamte Stück hindurch in immer wieder überraschenden Kombinationen und witzigen Abwandlungen gegenübertreten, bewirkt im Zuschauer immer wieder Distanz zu den schönen bunten Bildern. Mit umso mehr Freude lässt man sich jedoch dann auch wieder von der Zauberhaftigkeit in den Bann ziehen. Gerne begibt man sich unter den Schutz des kunterbunten Mantels. Man lässt sich sprichwörtlich einwickeln und nimmt dankbar die Einladung zum Mitträumen an... das Erwachen hat ja noch ein wenig Zeit...

„Wir sind dem Aufwachen nah, wenn wir träumen, dass wir träumen.“
(Novalis: Blüthenstaub)

Leopold Klepacki

 

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